Truppmannausbildung Teil 1 und Teil 2

Die Ausbildung zum Truppmann ist der Einstieg in die Feuerwehr und deshalb für jedes neue Mitglied Pflicht. Dabei wird der 1. Teil dieser Ausbildung als Lehrgang nach einheitlicher Vorschrift absolviert, gemeinsam mit "Neulingen" aus allen Freiburger Abteilungen. Man spricht auch vom Grundlehrgang. Wichtig für den zukünftigen Feuerwehrangehörigen ist es, sich der Bedeutung des sog. "Bräunleinwetters" bewusst zu sein. Hierbei handelt es sich um einen von Oberbrandmeister Christian Bräunlein geprägten Begriff zur Umschreibung eines idealen Wetters zur Ausbildung von neuen Feuerwehrangehörigen. Dieses Wetter ist geprägt von möglichst viel Wind, Regen und ggf. Hagel. Hierbei sollen die grundlegenden Tätigkeiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz erlernt werden. Der gesamte 1. Teil umfasst ca. 70 Ausbildungsstunden à 45 Minuten, aufgeteilt wie folgt:

 

Truppmannausbildung Teil 1

Schematischer Ausbildungsaufbau (Quelle: Lernzielkatalog der Lfs-BW)

 

Teil 2 der Truppmannausbildung ist kein Lehrgang im eigentlichen Sinne. Vielmehr ist der regelmäßige Übungsbesuch in der Abteilung gemeint. In einem Zeitraum von rund zwei Jahren sind mindestens 80 Übungsstunden zu absolvieren, außerdem ein Leistungsabzeichen zu erlangen, an Heißausbildungen und natürlich an Einsätzen teilzunehmen. Auf diese Weise vertieft und erweitert man das im 1. Teil erworbene Wissen, lernt das Zusammenspiel mit den Kameraden kennen und erlangt standortbezogene Kenntnisse. Zu den Besonderheiten eines Standortes zählen z.B. die vorhandenen Fahrzeuge und Geräte, das Einsatzgebiet mit seinen Eigenheiten oder auch besondere Aufgaben.

 

Zum Inhalt der Truppmannausbildung gehören folgende theoretische und praktische Einheiten:

 

Rettung inkl. lebensrettende Sofortmaßnahmen

Unentbehrlich für die Arbeit der Feuerwehr sind erweiterte Kenntnisse in "Erster Hilfe". Jeder soll lernen, wie man sich bei medizinischen Notfällen richtig Verhält. Dieses Wissen hilft dir nicht nur während deiner Tätigkeit bei der Feuerwehr, sondern durchaus auch im Alltag. Vermittelt wird dieses Wissen mit anschaulichen Übungen z.B. zum Verbandanlegen, zur Personenrettung, zur Helmabnahme oder durch das Kennenlernen professioneller Rettungsmittel. Auch später werden solche Themen mindestens einmal im Jahr auf dem Lehrplan stehen.

 

Rechtsgrundlagen

Dieser eher theoretische Teil behandelt die Rechte und Pflichten eines Feuerwehrangehörigen. Die Ausbilder erläutern anhand anschaulicher Beispiele, mit welchen Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften man als Feuerwehrmann oder -frau in Kontakt kommt. Besonderer Wert wird hierbei auf die Einhaltung von Unfallverhütungsvorschriften (UVV) bei Übungen und im Einsatz gelegt. Zu beantwortende Fragen können beispielsweise lauten: Darf die Feuerwehr Löschwasser aus privaten Gewässern entnehmen? Wie ist man versichert, falls man sich während einer Übung verletzen sollte? Was bedeutet das Blaulicht und was nicht? Darf auch die Feuerwehr eine Straße sperren oder etwa nur die Polizei? Mit welchem Wahlrecht können Feuerwehrangehörige ihre Feuerwehr mitgestalten?

 

Brennen und Löschen

In diesen Unterrichtseinheiten werden die chemischen und physikalischen Grundlagen von Verbrennungsvorgängen und die unterschiedlichen Löschmittel anhand von Experimenten von den Ausbildern erläutert. Eine Hilfsmittel zur Darstellung von Verbrennungsvorgängen ist das sogenannte Verbrennungsdreieck (s.u.). Weitere illustrative Erklärungen zum Verbrennungsdreieck befinden sich auf der Seite der FF Nettelrede.

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Quelle: FF Nettelrede

 

Fahrzeugkunde

Die Unterrichtseinheit Fahrzeugkunde gibt den Lehrgangsteilnehmern einen ersten Überblick über die Fahrzeuge der Feuerwehr und deren Beladung. So lernt man, bei welchen Aufgaben die Fahrzeuge ihre jeweiligen Stärken am besten ausspielen können.

 

Fahrzeuge

Verschiedene Fahrzeuge der Feuerwehr Freiburg (Quelle: Feuerwehr Freiburg)

 

Gerätekunde

Im Rahmen der Unterrichtseinheiten zum Thema Gerätekunde werden die persönliche Schutzausrüstung, Löschgeräte, Schläuche und Armaturen, Rettungsgeräte und sonstige Geräte vorgeführt und deren Bedienung erklärt.

 

Nachdem das grundlegende Wissen über Materialien, Fahrzeuge und Verbrennungs- und Löschvorgänge vermittelt wurde, wird in folgenden Unterrichtseinheiten das generelle Vorgehen bei Einsätzen der Feuerwehr behandelt. Hierzu zählen:

 

Löscheinsatz

Zum sicheren und zielgerichteten Ausführen eines Löschangriffs werden in diesen Unterrichtseinheiten viele bereits zuvor gelernte Inhalte weiter vertieft und mit praxisnahen Übungen trainiert. Hierzu zählen das Wissen um die persönliche Schutzausrüstung (PSA), besonderer Warnkleidung bei Einsätzen auf öffentlichen Verkehrsflächen oder generelle Gefahren an der Einsatzstelle. Zusätzlich wird die Aufgabe der Mannschaft, die Antrete- und Sitzordnung, das Ausführen von Einsatzbefehlen, die Wasserentnahme u.v.m. erläutert und trainiert. Am Abschluss dieser Lehrgangseinheit soll jeder Teilnehmer dazu in der Lage sein die Grundtätigkeiten der Brandbekämpfung auf Befehl auszuführen.

 

Technische Hilfeleistung

Neben der allgemeinen Vorgehensweise bei Einsätzen der technischen Hilfeleistung werden in diesen Unterrichtseinheiten die Anwendung der Rettungsgeräte sowie der Rettungsgrundsatz an zumeist praktischen Übungen gelernt.

 

Verhalten bei Gefahr

Auf diesen Block des Grundlehrgangs wird während den unterschiedlichen Unterrichtseinheiten besonderen Wert gelegt. Hierbei soll das Einschätzen und Bewerten von Gefahren an der Einsatzstelle gelernt werden. So müssen z.B. Gefahren bei fließendem Verkehr, durch abstürzende Teile (Stichwort Trümmerschatten) oder spezielle Gefahren bei ABC-Einsätzen bekannt sein.

 

Die hier dargestellte grobe Erläuterung der Unterrichtsinhalte der Truppmannausbildung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll dazu dienen, dem interessierten Leser einen ersten Überblick über die Lerninhalte dieses Lehrgangs zu verschaffen. Die detaillierten Lernziele der Truppmannausbildungung können dem Lernzielkatalog der Lfs-BW entnommen werden. Zu beachten ist, dass diese Lernziele entsprechend des jeweiligen Aufgabenbereiches der einzelnen Feuerwehren angepasst bzw. fokussiert werden können.